Aber die Hauptpost hat auf, dort muss sich Christiane durch lange Schlangen hindurchquälen.
Ich schaue mich derweil auf der Plaza de Armas um. Dort stehen schon wieder 3 Holzpferdchen in Position. Ein Kind wird laut protestierend vom Vater wieder heruntergehoben, während eine Frau sich mit Hut für ein Foto in Position setzt. An anderer Stelle haben Maler ihre Staffeleien und Berge von kitschigen Bildern aufgebaut. Die Stimmung ist ganz anders als am Nachmittag.
Auf der Suche nach einem Apple- Laden (mein I-phone findet kein Netz...) und einem Fotogeschäft (Ladeabel für Kamera hat Wackelkontakt....) bewegen wir uns (ohne Fahndungserfolge...) in Richtung Mercado Central.
Das Fischangebot ist unglaublich, das der Meeresfrüchte genauso. Vieles davon habe ich bislang noch nicht gesehen. Alles ist absolut frisch, es hat kein bisschen nach Fisch gerochen.
Lange genug drehen wir unsere Runden
und lassen uns dann zu einer leckeren Fischsuppe nieder (Paila Marina) , in der allerdings kein Fisch, sondern viele verschiedene Muschelsorten, eine Krebsschere und ungewohnt dicke Algenstückchen schwimmen.
Zuvor mussten wir allerdings erneut allen Heranwinkaktionen widerstehen.... selbst ein Mann mit guten Deutschkenntnissen und einem Hannover 96 Wimpel im Glasschrank konnte uns nicht überzeugen.
Wir sind zu "Mama" an die Ecke gegangen , und es hat sich gelohnt!
Nun wollen wir eigentlich die Estacion Mapocho besichtigen, den alten Bahnhof mit einer Eisenkonstruktion, ähnlich der der Markthalle. Das Gebäude ist übrigens geplant worden von den Brüdern Eiffel... Vielleicht verkauft man deshalb hier gerne Eifeltürme aus Kupfer!
Weiter als bis in die Vorhalle kommen wir nicht, da wir keine Lust haben, viel Eintritt zu zahlen , um auf einer Art Infa für Kleinkram herum zu laufen. Imponierend ist das Gebäude auf jeden Fall, aber Züge fahren hier schon lange nicht mehr.
Zu Fuß über den Mapocho Fluß
peilen wir eine Kirche an, die trotz angekündigter Öffnung geschlossen hat.... also nix mit Schatten und Päuschen machen...
Wir erreichen den Blumenmarkt, der mich nicht beeindruckt. Er ist seeeeeehr ordentlich und bietet fast nur üppigen Beerdigungsschmuck an.
Interessanter ist dann schon die neue Markthalle- Obst- und Gemüsemarkt- mit ihrer eigenwilligen Konstruktion. Der Unterbau besteht aus roten Ziegelsteinen. Als Dachkonstruktion dient etwas wabenartiges,weißes Durchlöchertes, was gut das Licht einfallen lässt.
Im unteren Bereich werden diverse Lebensmittel verkauft, vor allem Obst, Gemüse und Milchprodukte. In der Mitte der Halle wird direkt vor einem Kreuz und einer Madonnenstatue heftig getanzt. Die Madonna scheint nichts gegen Lebenslust zu haben.... Mich faszinieren die Würde, die Körperhaltung und das Selbstbewußtsein der Frauen und Mädchen, die sich aus dem Publikum herausholen lassen, um einen Tanz mit sehr viel Symbolik vor dem ganzen Publikum mitzumachen.
Es handelt sich dabei um einen traditionellen chilenischen Tanz, sozusagen das Herz der chilenischen Musik: Cueca.
Es ist ein Werbungstanz für Paare, wobei Mann und Frau viele Gesten mit dem in der rechten Hand gehaltenen Taschentuch machen. Die Knie des Mannes sind leicht gebeugt, der Rücken nach hinten gebogen.Das Ganze wirdauch mit demWerben eines Hahnes um die widerspenstige Henne verglichen.
Der Tanz ist verwandt mit dem Argentinischen Zamba und dem Peruanischen Marinera.
In der ersten Etage werden Kleidung und Schuhe verkauft, an den meisten Ständen wird aber gekocht und gespeist, dass sich die Tische biegen.
Da wir schon gesättigt sind, suchen und finden wir das einzige "Cafe" auf der Etage. Es öffnet gerade seine nicht vorhandenen Pforten. Die nette junge Frau stellt 6 Stühle und 3 Tischchen ans Geländer und schon kann es losgehen. Später lässt sie uns nicht ziehen, ohne uns intensiv darauf hin zu weisen, den Rucksack VOR dem Bauch zu tragen, die Kamera zu verstecken, etc. Dies war Ermahnung Nummer 2.
Die erste kam vom Vater unseres Vermieters.
Während Christiane sich etwas länger erholt, schleiche ich durch die Gänge, lande aber immer wieder beim Cueca.
Jetzt überqueren wir den Rio Mapocho erneut,
um uns dann mit einem Taxi zum zentralen Busbahnhof bringen zu lassen. Das dauert 35 Minuten.... dabei ist Samstag und weniger Stau.... Vielleicht hat er auch ein paar Umwege genommen... Während der Fahrt ermahnt uns auch der Taxifahrer zur erhöhten Wachsamkeit, vor allem an Busbahnhöfen und in der U-Bahn würde viel geklaut....
Eine kleine Pause muss sein, aber WO ? auf einem riesigen hektischen Busbahnhof gibt es ganz viel Fastfood und nur wenige stille Eckchen. Eins davon entdecken wir. Man muss in den ersten Stock und bekommt dort immerhin einen Kaffee (Milch gibt es nicht...) und ganz leckeren frischen Obstsalat. So gestärkt wagen wir uns in die Metro, die etwa 300m entfernt ihre Station hat.
Einzeltickets zu kaufen ist kein Problem, eine ellenlange Strecke kostet etwa 80 Cent. Die Bahn ist relativ voll, mal sehen, wie das am Montag wird. Wir müssen etwa um 8 Uhr los, mit einer Taxe sicher um 6.....
Das letzte Stück zu Wohung gehen wir durch einen der vielen wunderschönen Parks, vorbei an einem Deutschen Brunnen und vielen anderen älteren und neueren Kunstwerken.
Christiane verschwindet im Fahrstuhl, ich um die Ecke.....
Ich schaue mir noch das Mueum der schönen Künste an ( Museo Nacional De Bellas Artes ), das im Eingangsbereich mit einem schon von außen sichtbaren Kunstwerk lockt.
| das Museum der Schönen Künste |
Es ist in einem klassizistischem Gebäude mit lichtdurchfluteter Halle untergebracht und zeigt auch wechselnde Ausstellungen.
| Berg mit Altkleidern |
| Pachamama hat den Überblick |
| Pachamamas andere Seite.... |
| es weihnachtet schon seit langer Zeit.... |
| Christian Boltanski ist vielseitig |
Leider ist fast nichts in englisch beschriftet, aber letztendlich kommt es mir auf den Eindruck an, den die Dinge auf mich machen.....
Der riesige Hügel aus alten Kleidungsstücken füllt fast die ganze Halle aus und wirkt als bunter Kontrast zu dem wunderbaren Gebäude gar nicht schlecht. Ein gewisser Christian Boltanski ist der Künstler der derzeitigen aktuellen Ausstellung und er bringt sehr unterschiedliche Elemente ein, der Altkleiderberg ist sein Werk und mit den Seelen Verstorbener setzt er sich auch auseinander.
In der ersten Etage habe ich mich in eine Pachamama verliebt, die hätte ich am liebsten mitgenommen. Es gibt aber leider nicht eine einzige Postkarte von der Ausstellung!
Die anderen Ausstellungen finde teils etwas gruselig. Angepasst an geschichtliche Ereignisse in Chile sind sie sehr unterschiedlich und nur wenige ältere Stücke werden gezeigt. Insgesamt: sehr sehenswert!
Nun reicht es auch mir.... einen kleinen Umweg kann ich mir doch nicht verkneifen...Christiane ahnt es schon und wundert sich daherauch nicht über mein langes Ausbleiben....
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